Spit in de rug (Blog 303)

Das war einer dieser Momente in denen man sich fragt, ob es nicht doch einen strafenden Gott gibt. Noch am letzte Wochenende hatte ich Frau wirrkopf großspurig geschildert, das ich seit 15 Jahren unter keinen ernsthaften Rückenschmerzen mehr gelitten habe. Ein Trainigsprogramm, im Laufe der Zeit von mir selber entwickelt, bestehend aus Gymnastik, ein wenig hanteln und gelegenlichen Läufen habe mich immun gegen dieses Leiden gemacht, das mir zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr häufiger als mir lieb war zugesetzt hatte. Ich war mir sehr sicher, das diese Zeiten der Vergangenheit angehörten – bis ich letzten Freitag kurz vor Feierabend auf dem Schreibtischstuhl sitzend  nach meinem hinter mir an der Wand lehnenden Rucksack griff. Da war es plötzlich wieder – dieses lange nicht mehr gespürte, in der persönlichen Schmerzdatei aber noch abgespeicherte Ziehen im unteren rechten Rücken. Sehr schmezhaft und für mich auch demütigend. Einer dieser Augenblicke, die man nicht zu oft erleben sollte.

Ich schleppte mich mühsam zum Bahnhof, verbarg den Schmerz (da ich meinen Arbeitskollegen auch schon von meinem erfolgreichen Kampf gegen den Rückenschmerz berichtet hatte fürchtete ich ihren Spott), ließ mich Zuhause von meiner Frau bemitleiden und eincremen (tat beides gut) und ging mit der Wärmeflasche ins Bett. Der Samstag war gelaufen. Sich erheben und bewegen – das mußte vorsichtig angegangen werden. Buch und Bier halfen mir den Tag zu ertragen.

Heute morgen fühlte ich mich dann glücklicherweise sehr viel besser. Am späten Vormittag nahm ich am Schreibtisch Platz, schrieb mehr als 20 Kommentare und diesen Text. Was jetzt noch anliegt: Leichte Gymnastik (ja, trotz allem), Rotspon und Schlaf. Morgen dräut wieder der Alltag.

Was „Spit in de rug“ heißt ? Das ist die niederländische Bezeichnung für Hexenschuss (das u wird wie ein ü ausgesprochen). Klingt irgendwie schmerzhafter = realitischer als die deutsche Bezeichnung.

Letzter Eintrag vor Weihnachten….. (Blog 245)

…..nicht etwa weil ich nun nichts mehr hören und sehen will – einige Kommentare werden noch geschrieben – sondern weil langsam der Vorbereitungsstress überhand nimmt. Es wird aufwendig gekocht. Wir erwarten Familie und Freunde. Gestern wurde der erste Grosseinkauf auf dem Markt getätigt, einige Dinge müssen auch noch Montag Vormittag besorgt werden.

Allen Freundinnen und Freunden, Leserinnen und Lesern wünsche ich frohe Weihnachtstage – auch denen, die mit diesem Fest ihre Schwierigkeiten haben. Grüsse auch an die Tiere einiger Freundinnen. Am Weihhachtsabend bei einem Glas Rotspon werde ich an euch alle denken und einen Schluck auf euer Wohl trinken.

Vergangenen Mittwoch hatte ich um 8.00 Uhr noch einen Termin bei einem Kunden im Düsseldorfer Hafen. Musste um 6.00 Uhr aufstehen. Fand vor der Haustür Schnee vor (liegt hier immer noch) und später im Hafen wars neblig wie in einem Edgar Wallace Film. Bummelte durch den noch ruhigen Medienhafen zum Bahnhof zurück. In Gelsenkirchen angekommen traf ich im Hauptbahnhof auf einen Pianisten dessen Spiel mich berührte. Wäre schön, wenn es euch auch gefiele. Nehmt es als Weihnachtsgruß :

Musste den Film leider löschen. Zu schwer das Teil. 50MB verzögern zudem den Aufbau dieser
Seite. Aber unter meinen Medien ist er noch abrufbar:

http://www.blog.de/media/video/rmov0001/2231068

Aus dem Urlaubstagebuch 3 Marzipan und Denkmalschutz (Blog 210)

Natürlich mussten wir Lübeck besuchen. Wieder einmal das Buddenbrook-Haus besuchen , zum wiederholten Mal die Hafenrundfahrt machen, Rotspon kaufen und – einer Empfehlung des graphodino folgend – Marzipankaffee trinken. Bei letzterem habe ich es – wie das Foto unten zeigt – nicht belassen sondern die Gelegenheit wahrgenommen und gleich auch noch Marzipaneiskaffee und Marzipantorte probiert. So versüüst man sich einen tropisch warmen Tag. Ich kann diese Produkte nur weiterempfehlen:

Marzipankaffee

Wir sassen im Freien und hatten Gelegenheit einen Teil des Rathauses zu betrachten. Ein Gebäude, dessen ältesten Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Im Laufe der Zeit hat man immer wieder angebaut, umgebaut und wieder aufgebaut. Ein Gebäude das gerade dazu anregt sich mit dem Thema Denkmalschutz zu befassen.

Ich habe die 70er und Teile der 60er Jahre bewusst erlebt. Habe wie viele anderen Menschen meiner Genneration zunächst hilflos mit ansehen müssen wie in fast allen grösseren Städten eine Allianz von korrupten Lokalpolitikern, gierigen Immobilienhändlern und verantwortungslosen Architekten deren Erscheinungsbild zum Negativen hin veränderte. Der damalige Frankfurter Bürgermeister hätte die Reste der Oper am liebsten weggesprengt. In Gelsenkirchen wurden das alte Rathaus und der Hauptbahnhof abgerissen. Betonwüsten machten sich breit. Die Städte wurden “unwirtlich”.

Erst in der 70er Jahre begann organisierter Widerstand. So wehrten sich die Bewohner von Arbeitersiedlungen gegen den Abriss ihrer Häuser. In den grossen Städten wurden leerstehende Altbauten besetzt. Denkmalschutzgesetze sorgten dafür, dass es schwerer wurde Gebäude die in der Geschichte eines Ortes eine Rolle gespielt hatten einfach abgerissen.

Dabei ist man aber über das Ziel hinausgeschossen, ja man könnte sagen, man ist von einem Extrem ins andere gefallen. Hiessen die Gleichungen in der Nachkriegszeit “modern = gut” und “alt = wertlos” machte sich nun eine restaurative Stimmung breit. Es wurde zur Todsünde erklärt, den Charakter eines Gebäudes nachhaltig zu verändern. Bestimmte Baustoffe, Fenster und Gebäudenutzungen wurden vorgeschrieben. Denkmalschutz führte dazu, das Wohnungen, die in der frühen Nachkriegszeit gebaut wurden und in denen die Sanitärräume nur durch provisorische Wände von der Küche getrennt worden waren nicht renoviert werden durften, weil es sich um beispielhaften frühen sozialen Wohnungsbau handelte dessen Charakteristika erhalten werden sollten. Der möglichst originalgetreue Erhalt des Gebäudes hatte absoluten Vorrang vor den Bedürfnissen der Bewohner.

Was das mit dem Lübecker Rathaus zu tun hat ? Schaut es Euch an:

Rathaus Front

Da hat man im 13. Jahrhundert zunächst Backsteingotik gebaut mit spitzen Türmen und (später hinzugefügten) Windlöchern und dann im 16. Jahrhundert eine helle Sandsteinfasade im Renaissance-Stil davor gebaut. Das zweite Bild zeigt deutlich, dass es sich nicht um ein Gebäude, sondern um einen vorgebaute Fassade mit Laubengang handelt:

Rathaus Lübeck seitlich

Aus Sicht heutiger Denkmalschützer eine Sache, die nicht sein dürfte. Undenkbar wie ein kubischer Glasbau vor den Portalen des Kölner Doms. Aber sieht es nicht trotzdem gut aus ? Wird hier nicht deutlich, dass der Mensch in seiner jeweiligen Zeit das Recht und den Willen hat, seine Vorstellung von Weltsicht und ästhetischem Empfinden Ausdruck auch in seinen Gebäuden – seien sie repräsentativer oder privater Natur Ausdruck zu geben ? Muss wo einmal Gotik gebaut wurde immer Gotik sein ? Ich plädiere in diesem Bereich für mehr Vertrauen in den Menschen und weniger Reglemenntierung. Ein wirklich “bedeutendes” Denkmal schützt sich selbst durch seine Ausstrahlung. Niemand wird auf den Gedanken kommen, den Eifelturm, das Taj Mahal oder die Pyramiden abzureissen. Aber nicht jedes expressionistische Wohnhaus aus den Zwanziger Jahren muss auf ewig bleiben wie es ist. Wir haben auch ein Recht, unsere Räume in unserer Zeit selber zu gestalten.