Bier mit Barack ( Blog 313)

Die Erkältung war zwar leicht abgeklungen aber ich fühlte mich noch recht schwach.Vor dem Laptop sitzend war ich eingedöst. Die Hände verharrten bewegungslos auf der Tastatur, das Kinn war auf die Brust hinabgesunken, die Augen geschlossen – da schellte es.

Ein Bote brachte ein Paket auf dem eine Zollbescheinigung klebte. Ich öffnete es ahnungslos und war doch sehr überrascht über den Gast der ihm entstieg:

http://www.blog.de/media/photo/obama_1/3083443

Er wolle seine letzten freien Tage nutzen erklärte er. Im nächsten Jahr müsse er diesen wahnsinnig anstrengenden Job antreten. Er habe zunächst einen Vertrag für 4 Jahre und es zeige sich ja nun das es noch schwerer werden würde als vermutet. Er müsse sich ja nun auch zwangsweise für untergehende Industrieregionen interessieren und sei dabei eher zufällig auf das Ruhrgebiet und auf mein weblog gestoßen. Im vergangenen Sommer habe es ihm in Deutschland gut gefallen obwohl „diese Pastorentochter“ ihn nicht vor dem Brandenburger Tor habe reden lassen wollen um so mehr habe ihn das Interesse der Menschen überrascht.

Ich ließ ihm die Wahl zwischen Tee und Bier; er wählte letzteres. Dann schilderte ich ihm die Geschichte des Ruhrgebietes seit Beginn der Kohlekrise Ende der 50er Jahre, erzählte von selbstgefälligen Industriellen, von deren Kumpanei mit kurzsichtigen Gewerkschaften die immer nur die Interessen ihrer Branche und ihrer Mitglieder im Auge gehabt hätten und denen der Rest der Welt immer noch egal sei und natürlich von Politikern, die nicht über den Tellerrand hinaus blicken wollten obwohl sie es besser wüßten. Er hörte mir zu, nickte und ich meine er hätte „…wie in Detroit“ vor sich hin gemurmelt.

Er blickte auf die Uhr. Leider müsse er weiter. Links des Rheines warte noch ein weiterer Blogger auf ihn von dem er mehr über den eitlen Zwerg der dort regiere erfahren wolle und Weihnachten müsse er bei der Familie sein, sonst gäbe es schrecklichen Ärger (ich nickte wissend). Auf George Bush war er auch nicht gut zu sprechen weil dieser ihn zu einem Zeitpunkt kurz vor der Amtsübergabe noch zu einem gemeinsamen Essen mit allen noch lebenden ehemaligen Präsidenten (Carter, Bush sen., Clinton) eingeladen habe. Er lasse sich ungern von diesen Zombies die Zeit stehlen. Nein , über Hillary wolle er jetzt nichts sagen.

Ich versuchte noch, meiner Bewunderung Ausdruck zu geben, erzählte, das ich – solle ich jemals nach Chicago kommen, seinen Herrenausstatter aufsuchen würde um dort vom bis dahin hoffentlich Ersparten auch einen solchen Anzug:

http://www.ftd.de/lifestyle/luxus/Das-will-ich-auch-Die-Silhouette-von-Barack-Obama/433306.html

zu erwerben. Ich wollte noch vieles sagen, Ratschläge erteilen, warnen, Glück und Erfolg wünschen…als ich erwachte.

Meine Frau schickte mich ins Bett: Krank sei ich und bloggen müsse man nicht jeden Tag. Recht hat sie.

Obama 2

Wenn Städte für sich werben….. (Blog 225)

 

Wenn Städte für sich werben…..


…..wird es in der Regel peinlich. Entweder man will um jeden Preis originell sein oder man vertraut auf nichtssagende Platitüden. Zur ersten Kategorie gehört die Stadt in der ich lebe. Hier ist der Slogan „Gelsenkirchen: Herz im Revier voll Kraft und Zauber“ geprägt worden. Abgesehen davon, daß sich kaum jemand diesen Spruch merken kann hat er mit der erlebbaren Realität kaum etwas gemein. Unsere Stadt hat eben keine Kraft mehr sondern ist schwach und ohne Unterstützung kaum noch lebensfähig. Hohe Einwohnerverluste ( 1959: 391 000 – 2007: 266 000) bedingt durch den wirtschaftlichen Niedergang der der Montanindustien und keine Aussichten auf Besserung trotz zaghafter Versuche sich als „Solarstadt“ und „Gesundheitsstadt“ zu profilieren – da kann wirklich nur noch Zauber helfen.


Herz im Revier“ – das würde eher auf die doppelt so grosse Nachbarstadt Essen passen. Denen geht es noch zu gut. Zuviel selbstgefälliges Bürgertum das Werbung für nebensächlich hält. Man gibt sich nicht viel Mühe, stiehlt entweder schamlos („Essen leuchtet“) oder beschränkt sich auf Altbewährtes („ Essen: Die Einkaufsstadt“).


Könige der sinnfreien Selbstbeweihräucherung dürften momentan aber die Bochumer Nachbarn sein. Sie behaupten: „Bochum macht jung“ – Wie das ? Genau wissen sie es wohl selber nicht denn auf der zur Kampagne gehörenden website heisst es: „Wir suchen die besten, einfallsreichsten und kreativsten Gründe, warum Bochum jung macht!“ Dann sucht mal schön.


In die Kritik geraten ist auch die aus sehr bunten Blumen (Gerbera?) bestehende graphische Gestaltung der Kampagne. Genau so stellen sich die bierbäuchigen Alt-68er , die wohl noch auf längere Zeit die Schaltstellen der hiesigen Kommunalverwaltungen dominieren werden „jung sein“ vor: Flower Power und psychedelische Farben wie sie es halt aus der sich allmählich verflüchtigenden Erinnerung an die eigene Jugend kennen. Das Bochum nie San Francisco werden wird wollen sie nicht wahrhaben.


Über die gesetzliche Regelung, daß städtische Aufträge mit einem Wert von mehr als 200.000 € europaweit ausgeschrieben werden müssen, hat man sich hinweggesetzt und die Kampagne mit einem Wert von immerhin 900.000 € ohne Ausschreibung ausgerechnet an eine Essener Werbeagentur vergeben. Die übergangenen Bochumer Agenturen schreien nun natürlich auf und wollen klagen.


Das Ruhrgebiet, immer noch der größte europäische Ballungsraum leistet sich wieder einmal eine Provinzposse. Kleinkariertes Denken das an den eigenen Stadtgrenzen endet, eine inkompetente Verwaltung und das fehlende Bewußtsein, daß Größe und Einigkeit zum Wohle der Region eingesetzt werden könnten (Berlin macht es vor) verhindern bisher einen über das normale konjunkturelle Wachstum herausgehenden Aufschwung der möglich wäre. Für die Städte des Ruhrgebietes gilt: In Bezug auf Selbverständnis und Strukturen ist kaum etwas bewahrenswert. Es gibt nichts, was ruhigen Gewissens beworben werden könnte. Alles muß anders werden!

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Wer sich selbst ein Bild von der Bochumer Kampagne machen will oder wieder jung werden möchte sei auf folgende website verwiesen: http://www.bochum-macht-jung.de/