Sonntagfrüh (Blog 390)

Trotz Urlaub und Sonntag wurde ich wieder vor 6.00 Uhr wach und schleppte mich zum Innen/Außen – Thermometer (Wie habe ich früher ohne dieses Teil leben können?). Es zeigte +2Grad an. Gestern Abend hatten die Temperaturen noch knapp unter dem Gefrierpunkt gelegen. Mir graute vor dem Blick aus dem Fenster. Zurecht – wie sich bald zeigte. Es muss in der vergangenen Nacht zunächst geschneit haben und dieser Niederschlag ist wohl später in Regen übergegangen. Es regnete immer noch – in Strömen.

Also zog ich Jeans und Fleece über den Schlafanzug, setzte den Hut auf und griff mir den Besen um den Bürgersteig vor dem Haus zu räumen. Das klappte nicht da der Besen sich sofort mit Schneematsch vollsog. Gegen den Einsatz des Metall-Schneeschiebers hatte ich jedoch Bedenken. Ich erinnerte mich daran wie ich als junger Mensch die in unserer Straße lebenden, schlaflosen Rentner verflucht habe die mich in aller Frühe durch lautstarkes Schneekratzen weckten.

Also erst einmal wieder zurück in die Wohnung. Wie erwartet war auch meine Frau schon wach und kochte bereits Kaffee. Wir frühstückten üppig, dann ging es erst einmal zurück in die Federn.

Kurz nach 8.00 Uhr begann ich dann doch mit der nicht gerade geräuscharmen Räumung. Unter dem Schnee war es glatt und so griff ich zum Salz. Ist zwar verboten aber ich will nicht Schuld sein wenn eine ältere Dame die zur Kirche hastet (solche gibt es hier noch) hinfällt und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzieht.

Inzwischen ist der Regen wieder in Schnee übergegangen. Aus dem geplanten „walken“ wird wohl nichts. Schnee jedoch habe ich heute nicht zum letzten Mal geräumt.

Niederschlag und Steuern (Blog 368)

Samstagmorgen kurz vor 7.00 Uhr. Lautstarker Niederschlag weckt uns. Aufgestanden, zum Fenster gegangen, Rolladen vorsichtig etwas hochgezogen: Schock! Alles ist wieder weiß.

Also wieder – wie an den meisten Wochendenden seit Dezember – Schnee räumem. Der schon fortgestellte Besen wird aus dem Keller geholt und dann geht es hinaus. Aber es ist halb so schlimm. Es war nur ein Graupelschauer dessen Spuren sich schnell und einfach hinwegfegen ließen:

Graupel

Genau umgekehrt ist es mit den Steuerformularen. Da gibt es wider Erwarten Schwierigkeiten. Zwei Stunden hatte ich einbgeplant, muß aber feststellen, das sich gegenüber dem Vorjahr einiges verändert
hat und die Arbeit deshalb bis in den Nachmittag hinein währt.

Es fängt damit an, das ich nun neben meiner Konto Nummer auch IBAN (Internationale Bankkontonummer) und BIC (Inernationale Bankleitzahl – braucht die Firma SWIFT um dem amerikanischen Geheimdienst Zugriff auf meine Überweisunsdaten zu verschaffen) angeben soll. Ich stutze zunächst, nehme dann aber wahr, das diese Nummern auf den Kontoauszügen stehen was mir bisher nie aufgefallen war. Auch die Frage, ob ich „nachhaltig“ (?) Geschäftsbeziehungen zu Banken im Ausland unterhalte ist mir neu.

Dann die erste wesentliche Neuerung. Es gibt eine neue Anlage „Vorsorgeaufwand“. Alle Fragen zu zusätzlichen Kranken-, Lebens-, und Rentenversicherungen sind aus dem Hauptbogen hinausgenommen worden und müssen nun hier beantwortet werden. Die alte Anlage AV ist ebenfalls abgeschafft.

Was mir noch auffällt: Im Hauptbogen fehlt bei der Angabe der Kapitalerträge zum ersten Mal der Hinweis darauf, das wenn diese Erträge die Höhe des Freistellungsauftrages nicht überschreiten keine weiteren Angaben gemacht werden müssen. Muß ich jetzt etwa alle Erträge aufführen? Ehrlich gesagt, ich weiß es immer noch nicht. Die Erläuterungen zur fraglichen Zeile in der Anleitung zur Einkommenssteuererklärung verstehe ich nicht.

Noch eine Premiere: Erstmalig soll, wer für die Fahrt hin und zurück zur Arbeitsstelle öffentliche Verkehrsmittel nutzt die Kosten dafür auf den Euro genau angeben. Das ist bei mir relativ einfach da ich nur die Kosten des Tickets eintrage. In anderen Fällen ist es wohl mühsamer.

Bleibt zuletzt noch die Frage weshalb den zugesandten Unterlagen
alle Vordrucke beigefügt worden sind mit denen ich mich als „Kleingewerbetreibender“ registrieren lassen kann, die Anlage SO aber weiterhin fehlt und heruntergeladen werden muß.

Inzwischen habe ich erfahren das das Gesetz, dem wir diese zeitraubenden Änderungen verdanken den Namen „Bürgerentlastungsgesetz“ trägt. Wenn Entlastung so aussieht, dann graut mir vor dem angedrohten „ einfachen, niedrigen und gerechten Steuersystem“. Mir schwant das im im kommenden Jahr für die Steuererklärung professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muß.

Fazit dieses Wochendes: Bürokraten und Winter sind weiterhin eifrig bemüht, mir das Leben schwer zu machen. Auch am heutigen Sonntag war um 7.00 Uhr wieder alles weiß und es war schlimmer als gestern. Schwerer, matschiger Schnee für den der Besen nicht reichte und unter dem sich hartnäckige glatte Stellen fanden.

Neuer Schnee (Blog 365)

So sah es bei uns zwischen 15.00 Uhr und 16.00 Uhr aus. Ein ergiebiger Schneeschauer den ich vom Balkon aus mit der handykamera festhielt ging nieder. Da die Temperatur bei +3 Grad lag blieb nicht viel davon liegen.

Wenn es aber heute Nacht kälter und weitere Scheeschauer folgen könnte es sein, das ich morgen früh wieder zu Besen und Schaufel greifen muß.

Sollte der Player nicht funktionieren gibt es hier noch eine weitere Möglichkeit den Film zu sehen: http://de.sevenload.com/videos/FUthAvX-24-1-10-Nachmittags

Schnee, Knoblauch, China (Blog 361)

Auch heute am Sonntag hieß es wieder vor 7.00 Uhr aufstehen und Schnee räumen. Zwischen 7.00 und 20.00 Uhr muß dafür Sorge getragen werden das die Bürgersteige ohne von Witterungseinflüßen herrührenden Gefahren benutzt werden können. Wir haben noch einen „klassischen“ Bürgersteig. Als es in den 80er und 90er Jahren in Mode kam verkehrsberuhigte Zonen zu schaffen ist die kleine Straße in der wir heute wohnen glücklicherweise übersehen worden.

Außerdem war es ein gutes Training für das was kommt. Das dreiwöchige Lotterleben endet morgen früh um 5.00 Uhr. Dann ist wieder Alltag angesagt. Bin gespannt ob der Regionalexpress pünktlich ist. Heute aber ging es nach dem Frühstück noch einmal ins
Bett mit Frau, Laptop und Zeitungen. Beim Durchblättern der letzteren stieß ich auf eine Nachricht die mich nachdenklich stimmte. Die Financial Times Deutschland hat herausgefunden mit welcher Anlage man 2009 das meiste Geld verdienen konnte.
Nein, keine Aktien, auch kein Gold oder andere Edelmetalle – Terminkontrakte auf Knoblauch – das wäre es gewesen. Der Preis für den 40kg Sack indischen Knoblauchs lag Anfang des Jahres noch unter 500 Rupien. Er stieg bis zum Jahresende auf 2550 Rupien. Mit einer der Gründe: Angst vor der „Schweinegrippe“. In China gilt Knoblauch als Heilmittel gegen Grippe.

Da bin ich im Nachhinein doch froh das ich mich habe impfen lassen – ohne die geringsten Nebenwikungen übrigens. Kein Jucken, kein „Röteln“ – und da ich zum Jahresende nicht wenige furchtschürende Artikel über die zukünftige politische und kulturelle Dominanz Chinas wahrgenommen habe:

http://tinyurl.com/ygeurr7
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/32025

graut mir doch ein wenig. Chemische Produkte sind mir lieber als Lauchgewächse und Nadelstiche.

Verwendete Quelle: FTD vom 30.12.09 Seiten 20/21 „Anatomie eines Comebacks“

Wintertage (Blog 359)

Besen, Schneeschieber und Granulat stehen im Flur bereit. Was noch fehlt sind die angekündigten ergiebigen Schneefälle. Ist aber wohl auch noch zu früh dafür (9.45 Uhr). Zeit für einen Blogtext bleibt noch.

Der erste Schnee dieses Winters erwartete mich am vergangenen Donnerstag. Harmloser Puderzucker der fast mühelos binnen weniger Minuten weggefegt wurde. Mir war klar das es sich hier nur um ein Präludium handeln konnte.

Freitag morgen gab es keinen Schnee. Ich erreichte Duisburg heil und pünktlich mit dem Zug. Beim Blick auf den Schreibtischkalender sah ich, das er den Geburtstag meines Vaters anzeigte. 82 Jahre wäre dieses Jahr alt geworden. Er starb jedoch bereits 2003; unerwartet , nach kurzem schweren Leiden um eine Formulierung zu gebrauchen wie sie in Todesanzeigen verwendet wird. All die Jahre hatte ich seinen Geburtstag nicht bewußt wahrgenommen. Weshalb das an diesem Monat anders war – ich weiß es nicht. Jedenfalls kaufte ich nach der Arbeit am Bahnhof eine kleine Flasche Cola.

Es fügt sich, das Bushaltestelle , Friedhof und Wohnung nur wenig mehr als 100m voneinander entfernt liegen. Ich ging nicht sofort nach Hause sondern zunächst auf den schon dunklen Friedhof. Hier hatte sich eine dünne Schneedecke gehalten und zusammen mit einer nicht geringen Zahl von rot leuchtenden Lichtern, wohl übrig geblieben von den Novemberfeiertagen, fand ich eine Atmosphäre vor die Angst erst gar nicht aufkommen ließ.

Am Grab meines Vaters angekommen trank ich einen Schluck Cola und schüttete den restlichen Inhalt der Flasche auf das Grab. Weshalb ich das tat? Ich weiß es nicht. Cola war sein Lieblingsgetränk , zu Blumen oder anderem dekorativ nutzbaren Gewächs hatte er kein Verhältnis. Vielleicht hätte er für diese Form des Gedenkens Verständnis gehabt.

Vielleicht. Genau weiß ich es nicht. Mein Vater gehörte zu der Generation der stummen Väter die zu ihren Kindern trotz sporadischer Versuche keinen Zugang fanden. Die viel außer Haus waren und die Erziehung weitgehend den Frauen überließen. Ich spürte das er mir wohlgesonnen war und einige Male hat mir ein eher beiläufiger Rat von ihm geholfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Aber ich bin nicht sicher ob er das wahrgenommen hat und sicher habe auch ich ihn nicht spüren lassen wenn ich ihm dankbar war. Erst in seinen letzten Lebensjahren entspannte sich unser Verhältnis. Wir fanden ein gemeinsames Thema: Den Personal Computer und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Das er das „Zeitalter“ der weblogs nicht mehr erlebt hat bedaure ich. Möglicherweise hätten wir auf diese Weise eher zueinander gefunden als im persönlichen Dialog.

Im vergangenen Jahr las ich eher zufällig Lars Brandts Buch „Andenken“. Seitdem weiß ich das mein Nicht(Verhältnis) zu meinem Vater kein Einzelfall ist. Die von ihm geschilderten Verhaltensweisen seines Vaters waren mir nicht fremd. Vieles konnte ich nachempfinden. Bleibt das Gefühl vertaner Chancen un Möglichkeiten.

Samstag morgen stand ich dann um 6.00 Uhr auf. Der angekündigte Schnee war gefallen. Bei 11 Grad Minus räumte ich den Gehweg frei und wenn mein Blick nun aus dem Fenster fällt sehe ich das es Zeit wird erneut zum Besen zu greifen. Aktuell zeigt das Thermometer 5 Grad Minus an. Ein unangenehmer Wind weht den Schnee von den Dächern. Einen Schluck Tee noch, dann geht es hinaus.

Über Schnee und Seekabel (Blog 252)

Kurz nach 7.00 Uhr werde ich von meiner Frau geweckt. Es hat geschneit. So stark, dass ich zum ersten Mal in diesem Winter früh aus den Federn muss um den Bürgersteig zu räumen. Und so ziehe ich Jeans und Anorak über den Schlafanzug und werfe einen Blick auf das Thermometer bevor es hinaus in die Kälte geht. So ein Innen-Aussen Thermometer ist eines der Instrumente bei denen man sich fragt, wie man früher ohne sie hat leben können. Es zeigt + 1,4 Grad Celsius an.

Der Schnee taut auch bereits wieder. Er ist schwer und matschig, lässt sich gar nicht so leicht fort fegen. Wir wohnen in einer ruhigen kleinen Straße. Reihenhaus, erster Stock, unter uns wohnen die Vermieter. Altes Ehepaar, Kinder längst aus dem Haus. Nicht mehr ganz gesund. Nette Leute. Deshalb räume ich den Schnee freiwillig. Eine Arbeit, die ich selten tun muss. In den vergangenen 10 Jahren keine 20mal. Sie kommt aber heute morgen unerwartet auf mich zu und lässt mich ins Schwitzen geraten – und das am Wochenende.

Aber als ich in die Wohnung zurückkehre steigt mir bereits der Kaffeeduft in die Nase und die Brötchen sind auch bereits aufgebacken. Schön. Noch schöner, wenn es danach noch einmal zurück ins Bett geht…..

Später greife ich mir dann, immer noch im Bett liegend die Süddeutsche Zeitung vom Vortag. Mein Blick fällt auf einen Artikel im unteren Bereich der ersten Seite: „Asien offline“ . Da heißt es: „Gut acht Kilometer vor der ägyptischen Küstenstadt Alexandria hat ein Schiff mit seinem Anker unterseeische Internet-Hauptleitungen abgerissen. In Ägypten sank daraufhin die Kapazität des Internets auf auf 30%…..an der Börse musste der Handel eingestellt werden…Auch in der aufstrebende Wirtschaftsmacht Indien war die Leistung des Internets stark beeinträchtigt. Betroffen waren auch Firmen, die als Dienstleister für westliche Firmen arbeiten. Großkonzerne lassen beispielsweise ihre Buchhaltung in Indien erledigen oder…..Software schreiben.“

Auf andere Routen kann kaum ausgewichen werden, weil gleich zwei Hauptleitungen gekappt wurden und eine dritte schon vorher überlastet war. „Die Internetanbieter kämpfen nun darum, ihren verärgerten Kunden auf alternativen Strecken wieder Zugang zum Netz zu verschaffen“ (Satelit, anmieten von Ausweichstrecken um Afrika herum). Bis die Schäden behoben sind kann es eine Woche oder länger dauern.

Da war ich doch erschrocken. Mir wurde bewusst, wie sehr wir inzwischen vom „Netz“ abhängig sind und wie selbstverständlich wir davon ausgehen, dass es funktioniert. Dabei kann ein Schiffsanker weite Teile der auf Kommunikationsmittel angewiesenen Wirtschaft des nahen und mittleren Ostens lahm legen. Nicht gerade beruhigend.

Quelle: „Asien offline“ von Helmut Martin-Jung, SüddeutscheZeitung vom 1.2.2008 Seite 1