„Millionen handys tot“ ….. (Blog 330)

…..lautete die Schlagzeile der Bildzeitung am Mittwoch vergangener Woche nachdem tags zuvor das T-Mobile Netz ausgefallen war. Auch ich gehörte zu den Betroffenen. Zwar versuchte ich garnicht zu telefonieren aber ich saß im Zug und wollte mit Hilfe des im vorangegangenen Eintrages beschriebenen „google handy“ die Internetausgaben einiger Zeitungen checken was nicht möglich war. Was mich im Nachhinein noch wurmt: Ich vermutete die Schuld bei mir, nahm an irgendeinen Bedienungsfehler gemacht zu haben. Erst am Abend erfuhr ich den wahren Grund – ausgerechnet im Uralt-Medium „Fernsehen“.

Auch mein Magen wurde durch den Ausfall des Netzes geschädigt. Ich hatte vor, den „Tokyo Tea Room“ http://www.manfredkonradt.de/2007/07/21/tokyo_tea_room_blog~2678165/ aufzusuchen, fand ihn aber verschlossen vor. Da ich sehr hungrig war suchte ich den nächstgelegenen Imbiß auf . Currywurst statt Sushi: Das hat mir an diesem Abend nicht gut getan. Später erfuhr ich, das der erkrankte Besitzer, der sich erinnerte, das ich Dienstags häufig komme versucht hatte mich telefonisch zu benachrichtigen was aus den bekannten Gründen nicht möglich war.

Ansonsten habe ich eine wohltuend ereignisarme Woche hinter mir die gestern dann doch noch einen Höhepunkt hatte: Meine blogfreundin Frau wirrkopf ( www.wirrkopf.blog.de ) feierte ihren 60. Geburtstag nach. Ein anregender Nachmittag in dessen Verlauf ich Frau immekeppel ( www.immekeppel.blog.de ) kennenlernen durfte und natürlich weiß ich nun auch, wie gross das BamBam (www.bambams.blog.de) wirklich ist.

Habt alle eine angenehm kurze Arbeitswoche !

Noch ein Mondblog (Blog 302)

 

Den Text am Montag in „mondgelb“ zu setzen war wohl kein guter Gedanke. Nicht nur das er schwer lesbar war; wie ich heute morgen eher zufällig entdeckte wurde der gelbe Text zwar auf dem Firefox angezeigt, auf google Chrome und dem aktuellen Internet-Explorer herrschte dagegen gähnende Leere – und so wurde er nun flugs auf das traditionelle „schwarz“ umgestellt.

Heute also Vollmond; vielleicht ein Grund dem Mond einige Zeilen zu widmen. Es scheint so, als habe er – seit die Menschen ihn betraten – viel von seinem Zauber eingebüßt. Nur naturkundige Frauen befassen sich noch mit ihm, ansonsten wird er ignoriert. Dabei war er mal ein guter Freund

dem man sich nahe fühlen konnten. Zwei lyrische Texte aus der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts – die deutsche Sprache strebte damals seitdem nicht wieder erreichten Höhen zu – zeugen davon:


Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor,
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer,
Doch tausendfacher war mein Mut:
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloss in Glut.

Oder hier:

Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.

Goethe und Klopstock wußten noch, was sie an ihrem Mond hatten; sie sprachen mit ihm, waren sich seiner Anwesenheit bewußt, schrieben für und über ihn Gedichte.

Leider ist der Vollmond heute unsichtbar. Habe gerade noch kurz den Tokyo Tea Room verlassen und bin hinaus auf den Marktplatz. Nichts zu sehen. Irgendwo hinter den Wolken muß er sein, zeigt sich nicht. Ob er uns nicht mehr mag ?



In Bus und Bahn unterwegs: Homeward Bound und ein kleines Jubiläum (Blog 276)

Hat sich gelohnt gestern Abend noch das Angebot zu schreiben und zu posten. Der Auftrag kam heute Vormittag. Immerhin 1.300 € – Wieviel davon übrig bleibt verrät der Kaufmann natürlich nicht. Heute keine Überstunden. Dafür steht plötzlich eine Straßenbahn auf der Strecke. Schon nach 20 Minuten geht es mit einem Ersatzbus weiter – aber den Zug erreiche ich nicht mehr. Dafür bleibt nun etwas Zeit. Ich kaufe in einer dieser neumodischen Kaffee – Bars einen geeisten Late Machiato und steige damit hoch zu den Bahnsteigen 1 und 2. Kurz darauf passiert es: Ohne große Vorwarnung prasselt ergiebiger Regen in die Schwüle – und nicht nur das: Reisender – kommst du nach Duisburg – rechne damit, dass es an den ersten Bahnsteigen durch die Abdeckung regnet – jedenfalls seit ich hier meine Arbeitstage verbringe (und das sind nun schon drei Jahre). Das heißt: Den Laptop sofort einpacken, die Bank verlassen und sich einen der wenigen trockenen Stehplätze suchen.

Als ich in Gelsenkirchen den Zug verlasse ist es zunächst wieder trocken. Ich beschließe, die Regenjacke nicht aus der Tiefe des Rucksacks hervorzuziehen – falsche Entscheidung! Schon auf der Bahnhofstraße beginnt es wieder zu regnen und als ich den Tokyo Tea Room erreiche, gleiche ich einer nassen Katze. Muss aber sein, denn dieses Etablissement wird heute 5 Jahre alt in denen ich nicht wenige, ungezählte Stunden hier verbracht habe. Siehe: http://manulan.blog.de/2007/07/21/tokyo_tea_room_blog~2678165 Da die Wirtsleute klassische Musik zu schätzen wissen bekommen sie als Jubiläumsgeschenk auch die im gestrigen Beitrag erwähnte CD. Und dann sitze ich dort bei Talisker und bitterer Schokolade , schreibe diesen Beitrag auf dem Laptop während draussen der Regen rauscht. Schön, einfach schön.

Tokyo Tea Room (Blog 217)

Am Freitagnachmittag entschloss sich meine Frau kurzfristig zu einem Friseurbesuch. Für mich eine willkommene Gelegenheit, mein Refugium in der Gelsenkirchener Innenstadt aufzusuchen, am Marktplatz gelegen, Ecke Hauptstraße – Hansemannstraße: Den Tokyo Tea Room.

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Hans Ulrich Orrisch, gebürtiger Gelsenkirchener hat 12 Jahre in der japanischen Industrie gearbeitet. Er wäre gern in Japan geblieben, aber auch dort wurden kurz nach der Jahrtausendwende ältere Arbeitnehmer „wegrationalisiert“ und ohne Arbeitsplatz gibt es dort keine Aufenthaltserlaubnis. Er entschloss sich nach Gelsenkirchen zurückzukehren und eröffnete hier 2003 mit seiner Frau Kazumi, die aus einer japanischen Gastronomenfamilie stammt, den Tokyo Tea Room, der keinesfalls nur eine Teestube, sondern auch eine Sushi-Bar ist. Kazumi ist Sushi-Meisterin.

Sushi, das war bis dahin für mich „roher Fisch“. Ich hatte nicht vor, mich auf ein solches Experiment einzulassen. Dann aber dachte ich, dass man einem Mann meiner Generation mit einem – den Japanaufenthalt ausgenommen – nicht unähnlichem Lebenslauf wohl vertrauen könne und so überwog schließlich meine in diesem weblog schon verschiedentlich erwähnte Neigung zu Selbstversuchen. Und wie bisher meist auch wurde der Mut zum Experiment belohnt. Eine neue kulinarische Welt erschloss sich mir. Ich lernte den Umgang mit Sojasauce, Ingwer und Wasabi (sehr scharfer Rettich) und von Anfang an faszinierte mich die Transparenz dieser Gerichte: Alle Zutaten sind erkennbar, nichts ist undefinierbar.

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Aber nicht nur Tee und Sushi machen den Reiz des Etablissements aus. Eine Bar ist der Tokyo Tea Room auch. Es werden einige Malt-Whiskys vorrätig gehalten die ich nach und nach probiert habe und von denen ich den Talisker von der Insel der Nebel , den Lieblingswhisky von Robert Louis Stevenson (Autor der Schatzinsel und von Dr. Jekyll and Mister Hyde) inzwischen zu schätzen weiß. Auch die Gestaltung des Raumes ist zu erwähnen: Die Grundtöne Türkis und Rot und die Aluminiumverkleidung der Decke in welcher sich die Tische spiegeln schaffen die Atmosphäre einer fremden und dennoch Ruhe ausströmenden Welt. Musik gibt es auch, Jazz vorwiegend und Donnerstags findet man immer die neueste Ausgabe der „Zeit“. Hier verbringe ich Stunden. Hier wird auch der eine oder andere Blogeintrag konzipiert.

Letzten Freitag gab es keinen Jazz. Stattdessen spielte Ivo Polgerich Musik von Domenico Scarlatti auf dem Klavier. Vor mir stand ein Vanilleeis mit grünem Macha-Teepulver bestreut und süßen Asuki Bohnen als Beigabe. Draußen fiel ein starker Regen. Einen Moment lang vergaß ich die Welt um mich herum und war glücklich.

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