Wollen muß man schon (Blog 222)


Beim Durchblättern alter Tageszeitungen bin ich auf ein Interview gestossen, daß der Vorsitzende des Fussball-Bundesligisten Schalke 04, Josef Schnusenberg, kürzlich der WAZ gegeben hat. Angesprochen auf den schweren Saisonbeginn – Schalke beginnt auswärts beim Meister VfB Stuttgart und erwartet anschließend zu Hause Borussia Dortmund – äußerte er sich wie folgt:

“ Man kann es sich doch nicht aussuchen. Deshalb habe ich mich auch nicht an der Kritik gegenüber den Terminplanern beteiligt, obwohl mir klar ist, was kommen kann. Gewinnen wir die ersten beiden Spiele, kennt die Euphorie keine Grenzen, verlieren wir, ist der große Frust da. Deshalb wäre es vielleicht nicht schlecht, ein Spiel zu gewinnen und eins zu verlieren.“

Da beginnt man zu begreifen, weshalb es in der vergangenen Saison mit der Meisterschaft wieder nicht geklappt hat. Wenn der oberste Repäsentant den Eindruck vermittelt, ein Sieg könne auch schaden, wenn er die Begeisterung der Fans eher fürchtet als schätzt, wenn an der Spitze nur noch taktisch gedacht wird und man sich offenbar auch nicht viel zutraut – dann braucht man sich über entsprechende Folgen nicht zu wundern. Unvorstelbar, einen solchen Satz aus dem Munde von Uli Hoeneß zu hören.

Nun will ich auch nicht denjenigen das Wort reden, für die nur der Sieg zählt. Kranke Typen wie der ehemalige Tennisprofi Jimmy Connors von dem die Äußerung „Zeige mir einen guten Verlierer und ich zeige dir einen Verlierer“ überliefert ist. Aber gewinnen wollen muß man schon und Einsatz zeigen und nicht vorzeitig aufgeben. Das Publikum sollte da eher eine sekundäre Rolle spielen.

Dann bin ich nun doch auf den morgigen Abend in Stuttgart gespannt.

Quelle: WAZ vom 21.07.2007: „Mit Krachern bis Silvester warten.“