Die Ohnmacht der Bilder (Blog 337)

Eine der grundlegenden Erfahrungen die ich in den letzten 4 Jahren als Blogger gemacht habe ist die, das Leserinnen und Leser politische Inhalte eher als degoutant empfinden. Die Wahl eines solchen Themas hat zur Folge das die Zahl der Zugriffe und Kommentare sinkt. Aber da dies kein kommerzielles Blog ist und ich auf keinerlei Quoten zu achten habe erlaube ich es mir diesmal ein Thema aufzugreifen das mich umtreibt: Weshalb hat die SPD bei Europawahl am vergangenen Sonntag so schlecht abgeschnitten? Weshalb konnte sie ihre Sympathisanten kaum motivieren?

Ich stelle die These auf das die Plakatwerbung dieser Partei kein unwesentlicher Grund dafür war und will das im Folgenden begründen:

Auf den Plakaten der SPD dominieren Männer; vorwiegend ältere Männer. Nennen wir sie die „Generation Müntefering“. Da ist zunächst ein halber Graukopf mit Halbbrille der gerade den Börsenteil einer Zeitung liest:

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Die SPD verspricht ihm, dafür Sorge zu tragen, daß er seiner Bank wieder vertrauen kann. Wie der Mann optisch wirkt hat er noch nie in seinem Leben SPD gewählt und wird das auch künftig nicht tun.

Das sieht beim nächsten Kandidaten anders aus:

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Der ebenfalls ältere Herr, der gerade mit etwas Mechanischen beschäftigt ist steht wohl stellvertrendend für die klassische Industriearbeiterschaft. Sicher ein potentieller Wähler. Er hat aber lediglich zu erwarten das seine Sparkasse in der Nähe bleibt. Ich kenne niemanden, den diese Problematik umtreibt. Nur – in einer ostfriesischen Zeitung wurde darauf hingewiesen – die Volks- und Raiffeisenbanken fühlten sich vernachlässigt:

http://www.ga-online.de/index.php?id=540&did=16435

Und dann gibt es da noch dieses Plakat bei dessen ersten Anblick ich die Vision hatte, Jupp Derwall und Wladimir Illjitsch Lenin seien hier im vertrauten Gespräch zu sehen:

http://spd-shop.de/illus/gross/1004200.jpg

Es handelte sich dann aber doch nur um die weniger bekannten Herren Schulz und Steinmeier.

Die Frauen werden in der SPD weiterhin vernachlässigt. Meines Wissens taucht eine Frau nur auf einem Plakatmotiv auf und das dürfte dem Frauenbild der „Generation Müntefering“ entsprechen: Ein Zimmermädchen in gebeugter Haltung beim Bettenmachen:

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Ich vermute das eine Frau in solcher Lage entweder gar nicht (mehr) wählen geht oder aber eher die „Linke“ bevorzugen würde. Auf den naheliegenden Gedanken eine Frau an einem Bildschirmarbeitsplatz abzubilden und den Text „SPD – damit sie soviel verdient wie ihr männlicher Kollege“ hinzuzufügen ist man nicht gekommen.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, das es noch drei Plakate mit jüngeren Männern gibt, die jedoch verhältnismässig selten zu sehen waren. Dieses habe ich lediglich zwei Mal wahrgenommem:

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Diese beiden:

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sind während des Wahlkampfes zumindest im Bereich der „Metropole Ruhr“ nicht begegnet sondern erst im Nachhinein bei der Recherche für diesen Eintrag.

Bewusst nicht eingegangen bin ich auf die comicartigen Motive die Föhn, Finanzhai etc. zeigen.
Sie sind bereits hinreichend und zurecht kritisiert worden. Vielleicht noch ein Wort zum vielgescholtenen Finanzhai:

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Der sieht eben – das ist nicht nur mein subjektives Empfinden – eher putzig denn bedrohlich aus.
Ein für die beabsichtigte Wirkung katastrophaler Eindruck. Das die F.D.P. der SPD den Gefallen tat, sich über dieses Motiv wahrnehmbar aufzuregen dürfte eher der akuten liberalen Hybris geschuldet sein.

Zuletzt würde ich gern noch wissen, was sich die Verantwortlichen sich dabei gedacht haben als sie ein kaltes, wässriges Blau dessen Anblick ein Frösteln hervorruft als Hintergrundfarbe wählten.

Zusammengefasst: Die Plakatwerbung der SPD im vergangenen Europawahlkampf spiegelt das Bild einer Partei wider, die weder weiss was sie will noch wen sie (als Wähler) ansprechen soll. Dieser Wahlkampf war ein Tappen im Dunklen..