Das Mittwochsbild (54) NF14

Werbetafel

Dieses Jahr ist in der Inneneinrichtung “Gebraucht Wirkendes” in Mode. Besonders was Holzeinrichtungen angeht soll alles “schäbig” sein, darf aber dennoch viel kosten. Büromöbel die aussehen als seien sie aus Holz von der Baustelle gefertigt? Den Schreibtisch zu 1650,00 €? Kein Problem! Gibt es:
www.originalbauholzmoebel.de und selbst für “sonnenverbrannte Bretter” gibt es seit nicht allzulanger Zeit einen Markt: http://www.staredrevo.cz/Seite/Sonnenverbrannte-bretter

Auch in der Werbung wird dieser Trend sichtbar. Dieses Plakat das mir zur Zeit auf Bahnhöfen die Wartezeit auf den Zug vergällt zeigt im Hintergrund ältliche, gerissene, astige Eiche.

Wen will man mit dieser Werbung ansprechen? Mich sicher nicht, ich bleibe ein Mann der Moderne. Es kann nur für Männer gedacht sein, die sich hartnäckig weigern erwachsen zu werden. Oder?

Das Mittwochsbild (7)

Reklame Julia

Keine gute Bildqualität. Im Frühdunkel des Winternachmittags auf einem Bahnsteig des Duisburger Hauptbahnhofs aufgenommen.

Ich habe nur eine vage Vorstellung davon was ein Julia-Roman ist. Ein Titel wie “Die Rache des spanischen Millionärs” weckt auch kein Verlangen, sich näher mit diesem Genre zu befassen. Obwohl: Ich will die Trivialliteratur nicht verdammen; hat mir doch schon so mancher Kriminalroman in den Schlaf geholfen.

Die Idee auf diese Art und Weise für Bücher zu werben beeindruckt mich. Weshalb denn nicht an einem Ort an dem man nicht selten ungewollt lange verweilt auf einer großen Plakatwand die ersten Seiten eines Romans abbilden und dem Wartenden Gelegenheit geben, sich eine Vorstellung von dem Werk zu verschaffen? Weshalb auf diese Art nicht auch Herta Müllers “Atemschaukel” bewerben oder ( im konkreten Fall zur Abschreckung ) ein “Sachbuch” wie Schirrmachers “Payback” ?

Mit der “Rache des spanischen Millionärs” habe ich mich leider nicht mehr intensiver auseinandersetzen können. Der Zug war pünktlich.

Männerschlussverkauf (Blog 248)

Erst kürzlich hat meine blogfreundin wirrkopf auf fragwürdige Wortspiele in der Webung hingewiesen:
http://wirrkopf.blog.de/2007/12/28/werbung_mal_wieder_damlich~3501453
In der zurückliegenden Woche ist mir im Schaufenster eines Herrenausstatters dieses Plakat aufgefallen:

Männerschlussverkauf

Nun sind also auch wir Männer Opfer leichtfertiger, provoziererender Profitgier geworden. Zunächst wird der Eindruck erweckt, es sei möglich, ein halbwegs brauchbares Exemplar der Gattung Mann zu erwerben was einerseits reizvoll sein mag andererseits nicht einfach ist (knappes Angebot). Wenn man dann das Kleingedruckte liest wird klar: Es geht nicht um den Mann an sich, sondern lediglich um die textile Verpackung desselben. Ein eindeutiger Fall von irreführender Werbung. Der Psychologe mag sich bei dieser Gelegenheit auch Gedanken über den geistigen Zustand derjenigen machen, die sich von einer solchen Reklame Erfolg versprechen.

Aus dem Urlaubstagebuch 1 (Blog 208)

Selbst auf der Toilette verschont uns die Werbung nicht mehr. „Vorher daran denken“ lautet die auf dem Kondomautomaten angebrachte Mahnung und über den einzelnen Urinalen sind in Augenhöhe Wechselrahmen befestigt in denen sich Werbung für Kamine und Kachelöfen befindet. Wie kommen Werbetreibende eigentlich auf die Idee, daß man just im Moment des Wasserlassens den Gedanken fassen könne, einen Kachelofen zu erwerben? Wie gelingt es Ihnen einen Hersteller davon zu überzeugen, dass eine solche Werbung sinnvoll sein könne ? Wahrscheinlich eines jener nicht fassbaren Geheimnisse der Marktwirtschaft die wir gezwungen sind als gegeben hinzunehmen.

Ich verlasse die Herrentoilette der Autobahnraststätte Oyten (kurz hinter Bremen gelegen). Es ist ein kleiner Rasthof, 50er-Jahre-Backstein und im Gastraum helle Buchentische die deutliche Gebrauchsspuren aufweisen. Das könnten sie sein, die Tische, an denen ich schon vor mehr als dreißig Jahren gesessen habe. Heute bin ich unterwegs in den Urlaub, damals war ich mit mehreren Leidensgenossen auf dem Weg zur Kaserne in Stade. Das viel zu kurze Wochenende war vorbei und bevor es zurück in die Sklaverei ging, machten wir halt in dieser Raststätte, aßen Schinkenbrote mit Spiegeleiern, ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren um danach schweren Herzens zu fünft in den VW-Käfer zu steige und das letzte Stück des Weges hinter uns zu bringen.

Ich habe hier angehalten um diesen Ort noch einmal zu sehen der von Oktober bis Dezember 1974 in meinem Leben eine Rolle gespielt hat. Da stehe ich unter Zwang. Ich bin den Orten treu an denen ich mich einmal aufgehalten habe. Ich kann nicht zwei Tage in derselben Stadt sein, ohne mir einen Plan zu kaufen, etwas über ihre Geschichte erfahren zu wollen, mir Menschen, Gebäude, Gerüche einzuprägen und es mag lange dauern, aber irgendwann kehre ich an diesen Ort zurück.

Das gilt auch für unseren Urlaubsort. Es handelt sich um die 17.000 Einwohner zählende Kleinstadt Eutin in Schleswig-Holstein. 1965 bin ich dort eher zufällig zum ersten Mal gewesen. Als ich erfuhr, das meiner Frau diese Gegend auch nicht fremd war verbrachten wir hier 1995 unseren ersten gemeinsamen Urlaub. 1999 waren wir noch einmal dort. Dann folgten die Jahre in denen es mir gesundheitlich und durch die zeitweilige Arbeitslosigkeit bedingt auch finanziell nicht so gut ging. Irgendwann in dieser Zeit fragte meine Frau: „Ob wir wohl noch einmal nach Eutin kommen werden?“ Das hat mich angespornt. Dieses Ziel lag mir vor Augen. Ich wollte noch einmal mit meiner Frau in Eutin Urlaub machen. Eine gute Stunde noch, dann ist es geschafft.

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Von dem gemieteten Haus sind wir angenehm überrascht. Große Küche, neue Möbel, keine durchgelegenen Matratzen. Häufig bringen die Vermieter in den Ferienwohnungen
die Möbel unter, in denen sie selber die letzten beiden vorausgegangenen Jahrzehnte gewohnt haben. Unsere Vermieterin scheitert daran, uns die Bedienung des Fernsehgerätes (Satellitenschüssel, zwei Fernbedienungen) zu erklären. Früher habe sie das gekonnt, aber der letzte Gast, ein katholischer Pfarrer nebst Haushälterin, habe da wohl etwas verstellt. Sie habe bereits 14 € für einen Mechaniker zahlen müssen, wir sollten es selber mal versuchen. Machen wir, klappt auch reibungslos.

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Am Abend des ersten Urlaubstages gehen wir in ein Restaurant. Das hat Tradition. Wir erinnern uns, daß es vor acht Jahren gegenüber dem Bahnhof ein kleines Steakhaus mit einer opulent ausgestatteten Salatbar gegeben hat. Das existiert leider nicht mehr. Da wir müde von der Fahrt sind und nicht lange suchen wollen gehen wir in die ehemalige Bahnhofgaststätte die den wenig verheissungsvollen Namen „Köpi-Stuben“ trägt. Am ersten Urlaubsabend eine Gaststätte besuchen die nach einem Bier benannt ist, das in der Stadt gebraut wird in der ich arbeite – das gefällt mir nicht. Die Bedenken erweisen sich jedoch als unbegründet. Es gibt Weizenbier vom Fass und das Essen ist auch passabel. Wir sind glücklich und müde.

Unerbetene Post von: VW (Blog 116)

DIN A 4 Umschlag. Absender: Volkswagen Dialog Center. Zunächst Erstaunen. VW will einen Dialog mit mir führen? Na ja, zwischen 1982 und 1994 besass ich zwei VW-Fahrzeuge (Golf I und II, beide gebraucht gekauft, war zufrieden damit) aber ich habe nie ein Neufahrzeug erworben, nie eine VW-Werkstatt aufgesucht – Woher haben die überhaupt meine Adresse ? Oder bin ich inzwischen als Automobilverweigerer bei der Autoindustie aktenkundig ?

Habe ich den falschen Leuten erzählt, wie froh ich noch heute über meinen Entschluss von 1994 bin, kein eigenes Auto mehr besitzen zu wollen. Nein, es stand damals kein wirtschaftlicher Zwang hinter dieser Entscheidung, sondern lediglich die Erkenntnis, das man in einem zivilisierten = städtischen Umfeld kein Auto braucht. Weshalb nicht? Weil man mit einem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr problemlos seinen Arbeitsplatz, das Theater, das Kino oder den Computer – Shop erreichen kann. Wie glücklich war ich, diese überteuerte Persönlichkeitsprothese los zu sein.

Ich öffne den Umschlag: „Knietiefe Gewässer und Steigungen mit 45°- Winkel sind in deutschen Städten leider kaum zu finden“ lese ich. Spinnen die ? Ich stelle fest: Man will nicht – wie von mir vermutet – einen Dialog über Sinn und Berechtigung des Automobils in der zivilisiertenWelt mit mir führen, sondern mir einen Geländewagen – den Touareg – verkaufen. Oder vielmehr – ich soll ihn leasen. Ein Verkaufspreis wird bemerkenswerter Weise in dieser aufwändig gestalteten und ansonsten detailierten Werbung überhaupt nicht angegeben. Offenbar wird der Touareg überhaupt nicht verkauft, sondern nur „geleast“. „Nur“ 299 € monatlich (bei einer Laufzeit von 48 Monaten, 15.000 Kilometern p.a. und einer Sonderzahlung von wiederum „nur“ 9.517 €) soll das kosten.

Aber das Beste kommt erst noch. Dem Schreiben ist eine Imagebroschüre beigefügt, die den Titel „ Glücklich und stolz.“ trägt und deren Inhalt ich als beleidigend empfinde. „Früher waren Sie Sieger so mancher Schlammschlacht. Das wird heute wieder so sein“ heisst es da – meiner Meinung nach – zweideutig. „Konkurrenten haben Sie schon immer hinter sich gelassen…. Siegen ist ein schönes Gefühl.“ „Das Gefühl, alles zu meistern , können Sie auch heute wieder haben.“ Hier wird ein Menschenbild gezeichnet bar jeder sozialen Komponente, bestehend nur aus Wettbewerb und Kampf, geprägt von Allmachtphantasien – und so einen Menschen vermutet man in mir.

Abgesehen davon das mir das Geld dafür fehlt hätte ich eh nie einen Geländewagen gekauft. Diese Werbung bestätigt nun alle Vorurteile, die ich bisher Geländewagenfahrern gegenüber hatte. Ich kenneein Dutzend Geländewagenfahrer – Kunden zumeist. Es sind – seltener – ängstliche Frauen denen dieser Fahrzeugtyp aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen „ein herrliches Gefühl der Sicherheit“ gibt oder aber weitaus häufiger Männer vom Typ Schlammschlachtsieger: Brutal, bedrohlich wirkend, asozial. Leute, die mit dem Gang zum „ Chef“ drohen, wenn ihnen ein Rabattsatz zu niedrig erscheint, gelegentlich Kampfhunde mit sich führen und sich auch ansonsten aufführen, als gelte es in der Wildniss zu überleben. So kenne ich meine Geländewagefahrer und so stellt sich VW möglicherweise seine Kunden vor.

Tja liebe VW-Dialoger, wieder mal eine Werbung, die ihr Ziel verfehlte. Die Botschaft, die bei mir angekommen ist lautet: Leute wie Dich wollen wir nicht. Wir brauchen niemanden, der möglicherweise einen sparsamen kleinen Stadtwagen kauft. Golf Eco ? Gab es den mal ? 3Liter – Lupo? Längst als Fehler erkannt. Spar – Polo ? Wann war das ? Erste Ölkrise 1973 ? Was soll das ?
Wir verkaufen lieber „Luxus-Geländewagen“.